Geschichte des U20 Poetry-Slam im deutschsprachigen Raum

(Stand: 26. Juni 2025 | Beitrag wird laufend ergänzt und erweitert.)

Die institutionelle Geschichte des deutschsprachigen Jugend-Poetry-Slams beginnt bereits 2004, als erste Veranstaltungen unter den Formaten U18- und U20-Slam parallel erprobt wurden. Diese frühe Phase war von Experimentierfreude geprägt: Verschiedene Altersgrenzen wurden ausprobiert, um möglichst viele junge Menschen an das performative Schreiben heranzuführen. Lokale Initiativen in Städten wie Berlin, Stuttgart, Frankfurt und Heidelberg organisierten erste Altersgruppen-spezifische Slams, die sich gezielt an Jugendliche und junge Erwachsene richteten. Die Bezeichnungen U18 (unter 18 Jahre) und U20 (unter 20 Jahre) bestanden nebeneinander.


2004 | Erste Vernetzung der Community

Prof. Dr. Petra Anders gründet die U18-Slam-Yahoo-Group als Netzwerk für „alle, die mit Jugendlichen arbeiten und sich für Lyrik Texte und Poetry Slam interessieren.“ Poetinnen und Poeten unter 18 sind ebenfalls eingeladen, sich in der Gruppe zu engagieren.

U20 Poetry Slam erstmals eigenständiger Wettbewerb bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften (organisiert von Timo Brunke, Angelika Brunke, U20-Workshop-Koordination: Tanja Schulz) Etta Streicher, Nora Gomringer, Bas Böttcher, Gün, Jan Siegert, Tobi Borke, Toby Hoffmann und Wehwalt Koslovsky geben Workshops im Rahmen der ersten U20 Meisterschaften.

Timo Brunke schrieb im Jahr 2004 an die U20-Initiative: „Nur so viel Perspektive noch: Ich hatte letzten Sonntag mit einer unserer beiden Stiftungen, der Stiftung Kunst und Recht ein Gespräch.

Dort habe ich angeregt, dass die Slamily bei ihrem diesjährigen Slam-Master-Treffen einen Termin für Frühjahr 2005 ausmacht, um Slämmerinnen, Slammer, Slam-Master, Lehrerinnen, Sozialarbeiter etc. zu einem kleinen „Kongressle“ zusammenzurufen.

Als konstituierende Sitzung für ein Dauerprojekt U20-Slam mit wirklich bundesweitem Ausmaß, losgekoppelt auch vom GIPS, als künstlerisch-gesellschaftlich-bildungspolitische Bewegung. Was haltet Ihr davon?“


2005 | Weiterentwicklung des Formates

Auch 2005 wurden beide Formate weiterentwickelt. Workshops, schulische Projekte und erste Wettbewerbe trugen dazu bei, Poetry Slam für junge Menschen in pädagogischen Kontexten anschlussfähig zu machen. Es zeichnete sich jedoch zunehmend ab, dass sich U20 als praktikablere Altersgrenze etablieren würde – sowohl im Hinblick auf den Zugang von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe als auch auf eine Anschlussfähigkeit an die „reguläre“ Slam-Szene.

Slam-Seminar für Lehrer (in Kooperation mit Bibliotheken und Klett) durchgeführt von Prof. Dr. Petra Anders und Bas Böttcher – organisiert von Leif Greinus

Am 5. Nov 2005 um 06:57 schrieb Stiftung Kunst und Recht: „Grüß Gott und Guten Tag an Alle, nach unseren ergiebigen Gesprächen in Leipzig, schicke ich jetzt eine zweite Mail mit einige Anfragen an ein paar ausgewählte TeilnehmerInnen. 

[…] Den Workshop Talentschuppen möchte ich gerne an die Aktiven der Slamszene übergeben, wie wäre es mit Bas Böttcher […] und Sie, Frau Anders?“


2006 | Regelmäßige Strukturen und Internationalität

Einen entscheidenden Schub erfuhr die Bewegung dann 2006, als im Rahmen einer Burg-Tagung, initiiert von Prof. Dr. Petra Anders, erstmals die strukturelle Förderung von U20-Aktivitäten systematisch diskutiert und vorbereitet wurde. Aus dieser Tagung heraus entwickelte sich der U20-Slam Berlin, getragen von einem Netzwerk um Anders, das unter anderem Felix Römer, Xochil Schütz, Wehwalt Koslovsky, Lars Ruppel, Paul Hofmann und viele andere umfasste. Ziel war die Organisation eines Berliner Auswahlwettbewerbs für die erste überregionale Meisterschaft 2007.

Im selben Jahr wurde der U20-Slam als innovatives Vermittlungsformat auch in die Deutsch-Fachleiterkonferenz in Berlin eingebracht – ein weiterer Schritt in Richtung schulischer Integration und institutioneller Anerkennung.

2007 war schließlich ein Jahr des Aufbruchs. Am 8. März 2006 fand in Berlin ein erstes Vernetzungstreffen U20 statt, das Akteure aus verschiedenen Städten zusammenbrachte. International wurde das Format im Mai bei einem Workshop am Spielboden Dornbirn (Österreich) mit Lars Ruppel als Workshopleiter präsentiert – organisiert von Birgit Sohler und Jörg Meißner.


2007 | Entwicklung regionaler Meisterschaften

Am 29. Juni 2007 wurde mit der Berliner Meisterschaft im U20-Poetry-Slam im ATZE Musiktheater ein bedeutender Meilenstein gesetzt. Parallel fanden auch weitere Projekte statt, etwa „Kinder slammen zum Olymp“, dessen genaue Details noch zu erschließen sind. Die wachsende Bedeutung der Bewegung spiegelte sich auch medial wider: Alexandra Ciecierzynska begleitete die Szene mit ihrer Dokumentation „Slam it – der Film“, die das Aufblühen der jungen Szene festhielt.

Im November 2007 war Berlin Austragungsort der ersten deutschsprachigen U20-Meisterschaften, deren Organisation maßgeblich von Petra Anders verantwortet wurde. Mit über 50 flankierenden Workshops war diese Veranstaltung mehr als ein Wettbewerb – sie war ein bundesweites Festival jugendlicher Sprachkunst. Am 22. November folgte der U20-Slam „WORD UP!“ am Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) Heidelberg.

Begleitend war Bas Böttcher auf einer bundesweiten Tournee durch alle 16 Bundesländer, organisiert im Rahmen des Wissenschaftsjahres Sprache 2007, um das Potenzial des gesprochenen Wortes im Schulkontext sichtbar zu machen – eine Maßnahme mit langfristiger Wirkung.


2008 - 2013 | Etablierung und Verstätigung

2009 wurde das Format auf internationaler Ebene fortgeführt: Auf der Buchmesse Buch Wien wurden sowohl ein U20-Poetry Slam als auch ein Workshop für Jugendliche durchgeführt. Auch hier zeigte sich, dass das Interesse an jugendlichen Formaten über Deutschland hinauswuchs.

2010 veranstaltete das WOERDZ-Festival Luzern einen U18-Slam, in Zusammenarbeit mit Bas Böttcher und dem Stuttgarter Dichter und Pädagogen Timo Brunke – ein weiteres Beispiel für die grenzüberschreitende und generationenverbindende Kraft des Formats.

Ein wichtiger Entwicklungsschritt wurde schließlich 2013 vollzogen: Erstmals wurden die U20-Meisterschaften unabhängig von den regulären Ü20-Meisterschaften ausgetragen. Dieser eigenständige Wettbewerb, veranstaltet in Kiel, markierte die endgültige Verselbständigung der Jugend-Slam-Szene – sowohl organisatorisch als auch künstlerisch.

[Fortführung der Dokumentation folgt.]

[Ergänzungsvorschläge gerne per mail an unser Team]

© 2021 Gesellschaft für gesprochene Dichtung e.V.